Beeskow: Bürgerinitiative informiert über Gefahren der Erdgasförderung

Auf einer Infoveranstaltung der Bürgerinitiative „CO2-Endlager stoppen – Umwelt schützen e.V“ berichtete der Wasserexperte und Diplomingenieur Bernd Ebeling (Niedersachsen) über Gefahren bei der herkömmlichen Erdgasförderung. So treten in Niedersachsen, wo  seit über 60 Jahren Erdgas und Erdöl gefördert wird, Erdbeben auf. Ein großes Problem sei auch das giftige Lagerstättenwasser, das bei der Erdgasförderung anfalle. Zu der von Heide Schinowsky (Vorsitzende des BUND-Berlin ) moderierten Info-Veranstaltung kamen über 50 Teilnehmer aus Beeskow, Müllrose, Frankfurt (Oder), unter anderem auch die Kreissprecherin der Grünen Daniela Setton, der Landtagsabgeordnete Peer Jürgens (Linke), der Vorsitzende des Beeskowers Stadtparlaments Siegfried Busse und der Glienicker Pfarrer Gerd Linden am Donnerstagabend in die Beeskower Bibliothek. Trotz mehrfacher Anfragen lehnte Bayerngas bereits zu dritten Mal in Folge eine Einladung zu öffentlichen Veranstaltungen ab.

Ebeling warnte, dass man nicht nur auf das derzeit viel diskutierte „Fracking“ achten solle. Für den Ingenieur sei das Fracking nur die „dreckige Spitze des Eisbergs“. Das Problem der Verschmutzung von Böden,  Luft und Oberflächengewässern durch die Förderung fossiler Rohstoffe wie Gas und Öl werde hingegen leider oft nicht thematisiert. In Niedersachsen fördern Konzerne etwa 70 Prozent des Erdgases auf konventionellem Wege. Gas- und Ölförderung erzeugen giftige Lagerstättenwasser. Diese fallen immer an, unabhängig davon, ob gefrackt werde oder nicht, sagte Ebeling. Das Lagerstättenwasser sei ein gesundheitsschädigendes Gemisch aus salzigem Wasser und Kohlenwasserstoffen. In Niedersachsen enthalte das Gemisch beispielsweise krebsauslösendes Benzol und Toluol (BTEX), giftiges Quecksilber und Blei. Das Lagerstättenwasser werde  mit Gefahrgut-Tanklastwagen zu Verklappungsstellen gefahren, von denen es etwa 50 in Niedersachsen geben soll, berichtete Ebeling.

Weitere Gefahren bestehen im sogenannten „Abfackeln“ von Erdgas bei Bohrungen. Dadurch werde ein Cocktail von Giftstoffen in die Luft geschleudert, wenn die Filter mit Aktivkohle nicht richtig funktionieren. Leider kontrolliere das niedersächsische Bergamt nicht ausreichend, oftmals aus Personalmangel, vermutet Ebeling. Den Beeskowern  gab der Ingenieur die Information, dass wenn man in der Nähe der Erdgasfackel einen metallischen Geschmack im Mund verspürt, die Grenzwerte etwa dreifach überschritten sind. Dann sollte man unverzüglich das Bergamt als Kontrollbehörde informieren.

Ein großes Problem seien auch die Erdbeben im Zusammenhang mit der  Rohstoffförderung. In Niedersachsen gebe es ein regelrechtes Cluster von Erschütterungen. Ob diese durch die Förderung oder durch das Einpressen des Lagerstättenwassers in die Erde verursacht sind, sei noch unklar. Es sei ein „unhaltbarer Zustand“, dass aufgrund der derzeitigen Rechtslage Bürgern den Konzernen selbst beweisen müssen, dass die Schäden durch die Förderung des Erdgases aufgetreten sind. Einen Vorgeschmack dessen, was eventuell auf die Beeskower zukommt, könne man in der Lausitz sehen. Dort verweigert Vattenfall regelmäßig die Reparatur von Rissen in den Häusern, die vermutlich durch die Braunkohleförderung entstanden sind.

Womöglich zeichnet sich in der Frage der Beweislastumkehr im Bundesbergrecht eine Änderung ab, berichtete Heide Schinowsky. Auf Initiative von rot-grünen Landesregierungen soll über den Bundesrat das Bergrecht geändert werden. Der schleswig-holsteinische Umweltminister Robert Habeck (Grüne) berichtete erst in der letzten Woche im Beeskower Rathaus über den Vorstoß, dass in Zukunft die Konzerne in der Pflicht stehen sollen und nicht der betroffene Bürger. Auch der Landtagsabgeordnete Peer Jürgens (LINKE) sprach sich auf der Veranstaltung für eine Änderung des Bergrechts aus. Zudem wolle sich der Linkspolitiker für eine bessere Ausstattung des Brandenburger Bergamts einsetzen, damit diese ihrer Kontrollpflicht vollumfänglich nachkommen kann.

„Ein Gesetz, das einzig und allein den Konzernen zur Ausbeutung von Rohstoffen dient, aber Gemeinden und Kommunen keinerlei Mitspracherecht bietet sowie nicht die Belange der betroffenen Bürger und der Umwelt berücksichtigt, ist ein Relikt aus dem letzten Jahrtausend“, sagte die Kreischefin der Bündnisgrünen Daniela Setton.

Die Bürgerinitiative sowie anwesende Politiker von Grünen und Linken wollen den Prozess der Erdgasförderung weiterhin kritisch bei Beeskow begleiten. Ob vor den Toren der Kreisstadt Erdgas gefördert werden soll, will das Unternehmen Bayerngas nach Abschluss der Probebohrungen im Herbst entscheiden. Bis zum Herbst erstellt nun die Bürgerinitiative einen Fragenkatalog über die Auswirkungen der geplanten Förderung von Erdgas bei Beeskow. Im Anschluss der Veranstaltung versprach Daniela Setton den Beeskowern, diesen Fragekatalog nach der Wahl als parlamentarische Anfrage über die Bündnisgrüne Fraktion in Landtag zu bringen, um wenigsten „etwas Transparenz“ in das Verfahren zu bringen.

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