Wasserrückgang bei Seen im Umfeld des Tagebaus Jänschwalde: Landesregierung verschließt die Augen vor Tagebaufolgen

Seit Jahren verlieren Seen im Umfeld des Tagebaus Jänschwalde massiv an Wasser. Trotz der tagebaubedingten, großflächigen Absenkung des Grundwassers bestritt die Landesregierung jedoch lange einen Zusammenhang mit der Braunkohleförderung. Erst durch das dramatische Fischsterben im Pastlingsee im Sommer 2015 sah sie sich veranlasst, dort die Ursachen für den Wasserrückgang untersuchen zu lassen: Aus den Ergebnissen ging eindeutig hervor, dass der Wasserrückgang hauptsächlich auf den Tagebau zurückzuführen ist.

Die Probleme in den anderen betroffenen Seen blieben jedoch bisher weiter unbeachtet – und das obgleich die anhaltende Absenkung des Grundwassers im Umfeld des Tagebaus auch durch die Werte an den regionalen Messstellen belegt ist: „Der Wasserrückgang bei Seen im Umfeld des Tagebaus Jänschwalde wird von der Landesregierung offenbar komplett ignoriert“, kritisiert die bergbaupolitische Sprecherin der bündnisgrünen Landtagsfraktion Heide Schinowsky.

In einer aktuellen Antwort auf eine parlamentarische Anfrage erklärte die Landesregierung, dass bisher weder die zurückgehenden Wasserstände vom Groß-, Klein-, Tuschen- und Pinnower See gemessen werden, noch geeignete Maßnahmen gegen den Wasserverlust in Betracht gezogen wurden. „Die Seen befinden sich in unmittelbarer Nähe zum Tagebau, und trotz des regenreichen Sommers sind die Wasserstände in den Seen auch in diesem Jahr weiter deutlich gesunken. Damit dürfte klar sein, dass die Rückgänge nicht allein mit dem Klimawandel zu erklären sind“, sagte Heide Schinowsky. Allein beim Pinnower See sei der Wasserstand in den vergangenen Jahren um etwa 1,5 Meter abgesunken; der See stehe daher kurz vor einer Dreiteilung.

„Sehr wahrscheinlich ist der Wasserrückgang auch bei den anderen Seen auf den Tagebau zurückzuführen. Um das zu klären, müssen auch an diesen Seen Untersuchungen wie beim Pastlingsee durchgeführt werden“, fordert Heide Schinowsky. Sollte auch hier der Tagebau Verursacher sein, müsste die Landesregierung entsprechende Maßnahmen ergreifen, die von der Kostenübertragung für Gegenmaßnahmen bis hin zur Untersagung des weiteren Kohleabbaus reichen könnten. Grundlage dafür wäre die wasserrechtlichen Erlaubnis für den Tagebau Jänschwalde. Hierin wurde festgeschrieben, dass: `(…) für naturschutzfachlich wertvolle Feuchtgebiete bzw. andere vom Grundwasser abhängige Ökosysteme bei einem eindeutigen Zusammenhang zwischen Bergbau und Wasserverfügbarkeit das Ökosystem durch geeignete Maßnahmen vor erheblichen Schädigungen zu schützen ist.´

Die Gründe für das Wegschauen der Landesregierung sind unklar: „Die Folgeschäden der Braunkohle werden von der Landesregierung leider oft ausgeblendet, insbesondere wenn der Bergbaubetreiber hierfür zur Kasse gebeten werden könnte“, sagte HEIDE SCHINOWSKY. „Wir erwarten, dass die Landesregierung endlich aktiv wird, um dem massiven Wasserrückgang der Gewässer entgegenzuwirken.“

Hierzu sollten auch die Aufgaben der Arbeitsgruppe zum Pastlingsee – bestehend aus lokalen Vertretern, Behörden und Umweltverbänden – um die anderen Seen in der Region erweitert werden. „Die Landesregierung muss jetzt klären, inwiefern das Voranschreiten des Tagebaues nach Norden die Situation weiter verschärfen könnte“, sagte die Lausitzer Grünenpolitikerin. „Es ist doch ein Unding, dass drei neue Tagebauseen im Raum des Tagebaus Jänschwalde entstehen sollen, die natürlichen Seen aber dem Untergang preisgegeben werden.“

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