Heide Schinowsky

Mahnmal für die Kinder und Jugendlichen des ehemaligen DDR-Gefängnis
Heide und Roland Herrman

Sexueller Missbrauch von Kindern in der DDR. Bündnisgrüne: Aufarbeitung darf nicht am Geld scheitern

Bei der Vorstellung einer aktuellen Studie zu sexuellem Missbrauch von Kindern in der ehemaligen DDR an der Viadrina in Frankfurt (Oder) kritisierte der Mitautor Christian Sachse den Bund. Sachse zufolge würden Geldmittel für die Forschung von der Bundesebene blockiert: "Man wolle kein neues Feld aufmachen; vor allem wolle man keine weitere Opfergruppe, habe es geheißen", berichtet die Märkische Oderzeitung in ihrer Freitagsausgabe. Die Forscher hätten von der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs der Bundesregierung nur 20.000 Euro bekommen; nötig wären aber 50.000 bis 80.000 Euro, meinte Sachse. Laut seiner Untersuchung wurde etwa 500.000 Kindern und Jugendlichen in der ehemaligen DDR sexuelle Gewalt angetan; teilweise blieben die Taten bis heute ungesühnt.

"Die Forscher kommen zwar zu dem Schluss, dass es in der DDR nicht mehr Pädokriminalität als im Westen gegeben hätte und auch die Zahl der Verurteilungen auf einem ähnlichen Niveau läge. Der Missbrauch sei jedoch viel stärker tabuisiert worden. Die staatlichen Machtstrukturen in Heimen, Jugendwerkhöfen und im Leistungssport haben zudem den Missbrauch befördert", sagt der Landesvorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Brandenburg, Clemens Rostock. "Die notwendige weitere Forschung darf nicht am Geld scheitern", fordert Rostock. "In der vorliegenden Studie wird deutlich, dass sexueller Missbrauch in der DDR zum Teil nicht nur systematisch erfolgte, sondern dazu auch - anders als in Westdeutschland - deutlich stärker tabuisiert wurde", sagte die aufarbeitungspolitische Sprecherin der bündnisgrünen Landtagsfraktion Heide Schinowsky. Während Täter zum Teil geschützt wurden, leiden die Opfer bis heute an ihren schlimmen Erfahrungen. "Umso wichtiger ist es jetzt, das Leid anzuerkennen und die therapeutische Unterstützung zu verbessern ", meint Schinowsky. "Betroffene von sexualisierter Gewalt brauchen ein Netzwerk zur Therapeutensuche. Spezialisierte Beratungsstellen, die entweder selbst psychosoziale Hilfsangebote anbieten oder vermitteln können, sollten gestärkt werden, damit Betroffene direkter und schneller Hilfe erhalten können", so die aufarbeitungspolitische Sprecherin der Landtagsfraktion. Eine neue Bundesregierung muss sich der Aufarbeitung und Rehabilitation von Opfern sexueller Gewalt erneut annehmen, fordern die Brandenburger Bündnisgrünen Schinowsky und Rostock.

Weitere Informationen

Dr. Christian Sachse, Stefanie Knorr, Benjamin Baumgart: Expertise. Historische, rechtliche und psychologische Hintergründe des sexuellen Missbrauchs an Kindern und Jugendlichen in der DDR. Hrsg.: Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs Berlin, Leipzig 11. Oktober 2017 https://www.aufarbeitungskommission.de/wp-content/uploads/2017/10/Expertise-DDR_online.pdf

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