Heide Schinowsky

Heide und Roland Herrman
Mahnmal für die Kinder und Jugendlichen des ehemaligen DDR-Gefängnis

„Lebenslänglich Heimkind“: Ausstellungseröffnung zum DDR-Kindergefängnis in Bad Freienwalde – Schulen können Einblick in die jüngere Geschichte bekommen

20200904 112036aErstmalig werden die Ereignisse im ehemaligen „Kindergefängnis Bad Freienwalde“ in einer Ausstellung aufgearbeitet. Unter dem Titel „Lebenslänglich Heimkind“ werden auf Informationstafeln Hintergründe erläutert. In Video-Installationen berichten ehemalige Insassen über ihre ganz persönlichen Eindrücke aus dieser bedrückenden Zeit. Zu der Eröffnung der Ausstellung am 4. September im Bad Freienwalder Jugendclub „OFFI“ kamen über 50 Zeitzeugen, Interessierte und Vertreter der Politik zusammen. Neben den ehemaligen inhaftierten Kindern und Jugendlichen waren auch die Landesaufarbeitungsbeauftragte Dr. Maria Nooke, die Leiterin der Brandenburgischen Landeszentrale für Politische Bildung Martina Weyrauch, der Bad Freienwalder Bürgermeister Roland Lehmann, sowie Heide Schinowsky, Parteiratsmitglied von Bündnis 90/Die Grünen Brandenburg, sowie die Landtagsabgeordneten Kristy Augustin (CDU) und Elske Hildebrandt (SPD) bei der Eröffnung.

Die Landesaufarbeitungsbeauftrage Maria Nooke wies darauf hin, dass es viele problematische Einrichtungen zur Kindererziehung in der DDR gab, aber wenig daran erinnert werde. Es sei ein „Meilenstein der Aufarbeitung“, lobte Nooke die Ausstellung der Kuratoren Karsten Herold und Jens Scherer vom Förderverein für demokratische Medienkultur. Vor dem Hintergrund der Einheitsfeiern in Potsdam mahnte Roland Herrmann, Vorsitzender des Opfervereins „Kindergefängnis Bad Freienwalde“: „Wir sind auch ein Teil der Geschichte. Auch nach 30 Jahren werden wir nicht müde, die Zustände anzuprangern. Das was wir erdulden mussten, darf sich niemals wiederholen“.

Nachdem die Kinder und Jugendlichen im damaligen Lager angekommen waren, befanden sie sich die ersten drei Tage in eine Einzelhaftzelle; erst danach wurden sie einer Gruppe zugeordnet. Die Räume waren mit Doppelstockbetten ausgestattet; die Fenster waren mit Gittern gesichert. Die Zellentüren waren mit schweren Schlössern versehen, die nur von außen geöffnet werden konnten. Es gab in den Zellen keine Toilette – dort befand sich lediglich ein einfacher Eimer mit Deckel. Waschmöglichkeiten waren nicht vorhanden, berichtete Herrmann. Ein Beleg, dass es sich mitnichten um ein normales Kinderheim gehandelt habe, präsentierte an dem Tag Rainer Buchwald vom Verein der Opfer des Stalinismus (VOS). In einem alten Telefonbuch von 1989 stand schwarz auf weiß: „Durchgangslager“ statt der verharmlosenden Bezeichnung „Durchgangsheim“. Voss überreichte Herrmann den Auszug in einem Bilderrahmen.

20200904 114921aDie Ausstellung soll zukünftig verstärkt in die Jugendarbeit einbezogen werden. Schulklassen können anhand von den geschilderten Erlebnissen einen Einblick in dieses düstere Kapitel der DDR bekommen. Der Verein „Kindergefängnis Bad Freienwalde“ stellt dafür Zeitzeugen bereit. Interessierte Lehrkräfte können sich unter E-Mail Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! an den Förderverein wenden.

„Für die Einbindung in die Aufarbeitung der jüngeren Vergangenheit in den Schulen haben wir jahrelang gekämpft. Die DDR bestand mehr als nur aus Trabi und Aktueller Kamera“, sagte die Grünenpolitikerin Heide Schinowsky, die das Anliegen der ehemaligen Insassen seit Jahren unterstützt. Auch die Vorsitzende des Bildungsausschusses im Brandenburger Landtag Kristy Augustin begrüßte das Angebot, das Thema Schülerinnen und Schüler näher zu bringen. Der Bad Freienwalder Bürgermeister Roland Herrmann zeigte sich erfreut darüber, dass auch ein Schulleiter an der Eröffnung teilnahm.

Ausstellungsdauer

4. September 2020 bis 16. Dezember 2021 Öffnungszeiten: Mo, Mi, Do 10-19 Uhr I Di, Fr 10-21 Uhr I Sa 13-18 Uhr

Hintergrund

Das frühere Gefängnis in Bad Freienwalde wurde 1968 der Jugendhilfe Frankfurt (Oder) zur Nutzung übergeben. Die Jugendhilfe machte es dann ohne Umbau, d. h. unter Beibehaltung des Gefängnischarakters zum Durchgangsheim. Darin sollten Kinder und Jugendliche, die auf einen Heimplatz warteten, für maximal 18 Tage untergebracht werden. Diese Maximaldauer wurde jedoch nur selten eingehalten; viele Insassen waren unter unmenschlichen Bedingungen länger als ein halbes Jahr dort eingesperrt. Kontakte zur Außenwelt gab es nicht. Zudem war das Gebäude von einer hohen Mauer umgeben. Das jüngste eingesperrte Kind war 3 Jahre alt. Seit 2010 widmet sich der Verein "Kindergefängnis Bad Freienwalde e. V." der Aufklärung. Seit 2017 gibt es zudem ein Mahnmal vor dem ehemaligen Kindergefängnis in Bad Freienwalde. Seit 2018 ermittelt auch die Staatsanwaltschaft zu ungeklärten Todesfällen von Kindern und Jugendlichen, die während der Inhaftierung zu Tode gekommen sind.

Aktuelle Seite: Startseite Meine Themen Aufarbeitung DDR-Unrecht „Lebenslänglich Heimkind“: Ausstellungseröffnung zum DDR-Kindergefängnis in Bad Freienwalde – Schulen können Einblick in die jüngere Geschichte bekommen

Pressemitteilungen gruene.de

Die Zukunft änderst du hier. Alle Informationen zu Programm, Personen und Möglichkeiten, bei BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN aktiv zu werden.
  • Reiches Heizungsgesetz: Fossile Kostenfalle und Klimakiller
    Nach der ersten Lesung des Gebäudemodernisierungsgesetzes ist klar: Dieser Gesetzentwurf aus dem Hause Reiche ist klimaschädlich, sozial unausgewogen und verlängert die Abhängigkeiten Deutschlands von teuren Gasimporten. Diese Gesetzesnovelle sollte besser heute als morgen beerdigt werden!
  • Schwarz-rote Sozialreform: Kürzen ist noch keine Reform
    Was die Bundesregierung unter dem Deckmantel einer „Pflegereform" vorlegt, verdient diese Bezeichnung kaum. Statt strukturelle Probleme anzugehen und Lasten gerecht zu verteilen, greift der Gesetzentwurf zum Rotstift – und zwar dort, wo er am wenigsten hingehört: bei den Menschen, die ohnehin am wenigsten haben. Was wir Grüne im Detail kritisieren, liest du hier.
  • IM/PULS 2026 – Hoffnung ist eine politische Strategie.
    Tausend Menschen. Acht Bühnen. Eine Frage: Wie machen wir Politik, die wieder Hoffnung weckt? IM/PULS 2026 war keine Konferenz - sondern ein Experiment. Was dabei entstand, liest du hier.
  • Tag der Frauengesundheit: Bundesregierung hat Frauen nicht im Blick
    Frauen leisten den überwiegenden Teil unbezahlter Sorgearbeit in Deutschland. Die von der Bundesregierung geplanten Kürzungen des Unterhaltsvorschuss treffen unmittelbar alleinerziehende Frauen und Kinder. Sie bezahlen dafür auch mit ihrer körperlichen und psychischen Gesundheit. Hier lest ihr, warum wir echte Gleichstellung in der medizinischen Gesundheitsversorgung brauchen und wie wir Frauen wirklich entlasten.

Newsletter BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Spree-Neiße

Telegram BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.