Heide Schinowsky

Heide und Roland Herrman
Mahnmal für die Kinder und Jugendlichen des ehemaligen DDR-Gefängnis

Rede zu Gedenkstätten DDR-Unrecht

HS-Plenum-8139Frau Präsidentin, Sehr geehrte Damen und Herren, ich möchte noch mal ein Thema vertiefen, um das es heute vormittag in der Fragestunde schon mal ging: nämlich Gedenkstättenfahrten. Herr Hoffmann hatte darauf hingewiesen, dass sich alle Fraktionen in der letzten Legislaturperiode hierzu auf eine gemeinsame Handlungsempfehlung verständigt hatten. Hintergrund war die gemeinsame Einschätzung, dass SchülerInnen zu wenig über DDR-Unrecht wissen bzw. stärker die Möglichkeit bekommen sollen, sich damit auseinanderzusetzen.

Unter dem Stichwort "3. Gedenkstätten bzw. außerschulische Lernorte" steht hier: "Die Enquete-Kommission 5/1 fordert das Bildungsministerium auf, ein schulübergreifendes Angebot für den Besuch außerschulischer Lernorte zu entwickeln." Und ganz wichtig: "In diesem Zusammenhang sollten die finanziellen und organisatorischen Rahmenbedingungen für Besuche von Gedenkstätten und außerschulischen Lernorten durch Schülerinnen und Schüler verbessert werden. Die Möglichkeit der Abordnung zusätzlicher Gedenkstättenlehrer/innen ist ebenfalls zu prüfen." Eine Kurzfassung hiervon hat es auch in Ihre Koalitionsvereinbarung geschafft. Da heißt es: "Wir streben an, dass jeder Brandenburger Schüler im Laufe seiner Schulzeit wenigstens einmal sowohl einen Gedenkort der Opfer des Nationalsozialismus als auch der SED-Diktatur besucht." Zugrunde lag offenbar auch bei den Koalitionsgesprächen die Einschätzung, dass hier Handlungsbedarf besteht: Zu wenige SchülerInnen besuchen Gedenkorte. Das sehen wir genauso. Der Blick in Ihren Koalitionsvertrag lässt erst einmal den Eindruck entstehen: Sehr gut, diese wichtige Aufgabe wird also angepackt. Bei näherem Hinsehen bzw. Nachfragen stellt sich das aber leider ganz anders dar. Auf dreierlei möchte ich kurz eingehen: 1.    Die Antwort auf eine Kleine Anfrage von uns hierzu 2.    Unsere entsprechenden Haushaltsanträge 3.    Die Antworten von Minister Baaske heute morgen

1. Zur Kleinen Anfrage:

Wir haben darin gefragt: "Wie ist die in der Koalitionsvereinbarung genannte Vereinbarung zu den Besuchen an Gedenkorten in den neuen Rahmenlehrplänen untersetzt?" Antwort: "Der Entwurf des neuen Rahmenlehrplans für die Sekundarstufe I sieht Besuche außerschulischer Lernorte im selben Umfang wie bisher vor." Das klingt leider nicht nach erkanntem Handlungsbedarf. Sondern nach einem Weiterso wie bisher. So wird es keinen einzigen Gedenkorte-Besuch zusätzlich geben.

2. Unsere Haushaltsanträge

Wir haben in Brandenburg 13 Gedenkstättenlehrer, die jeweils für einige Stunden pro Woche Schulklassen in Gedenkstätten und an Gedenkorten betreuen. Sie stehen in kontinuierlicher Verbindung mit den Schulen in der Region und entwickeln Angebote, die für jeweilige Klassenstufen geeignet sind. Sie ersetzen nicht die Geschichtsstunde, können aber in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Lehrkräften am authentischen Ort historisches Geschehen besonders anschaulich vermitteln. Von den Gedenstätten wissen wir, dass sie die Anfragen für entsprechende Besuche nicht abdecken können - deshalb haben wir eine Aufstockung beantragt. Das wurde leider abgelehnt. Ebenso abgelehnt wurde unser Antrag zu Fahrtkosten. Zur Erinnerung das Stichwort aus den Handlungsempfehlungen: finanzielle Rahmenbedingungen verbessern. Die Kosten für diese Fahrten müssen derzeit von den Schülern bzw. Schulträgern getragen werden. Analog zum Haushaltsantrag der Koalitionsfraktionen zu Reisen nach Auschwitz haben wir deshalb beantragt, für Reisen zu Gedenkorten des DDR-Unrechts eine finanzielle Unterstützung im Landeshaushalt einzustellen. Auch das wurde abgelehnt.

3. Und zu Minister Baaske:

Noch viel mehr hellhörig haben mich aber die heutigen Äußerungen von Minister Baaske werden lassen: Während in den Handlungsempfehlungen die Prüfung zusätzlicher Gedenkstättenlehrer/innen eingefordert wird, scheint es nun in die entgegengesetzte Richtung zu gehen: Herr Baaske sagte: "Wenn ich die LehrerInnen brauche, werde ich sie abziehen." Kurz gesagt: Aktuell sehe ich leider keinerlei Hinweise darauf, wie die Landesregierung das im Koalitionsvertrag verankerte Ziel einer Stärkung der Gedenkstättenbesuche umsetzen möchte. Es gab aber heute zum Glück auch einige Äußerungen von anderen Kolleginnen hierzu, die mich gleichwohl verhalten optimistisch stimmen, dass wir hierzu noch gemeinsam sinnvolle Vorschläge entwickeln werden. Vielen Dank!

Aktuelle Seite: Startseite Meine Themen Aufarbeitung DDR-Unrecht Rede zu Gedenkstätten DDR-Unrecht

Pressemitteilungen gruene.de

Die Zukunft änderst du hier. Alle Informationen zu Programm, Personen und Möglichkeiten, bei BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN aktiv zu werden.
  • Am 8. März ist Frauentag – Aus Wut wird Widerstand
    Von der Ungleichheit der Löhne über Partnerschaftsgewalt bis zur ungleich verteilten Sorgearbeit: Die Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern ist noch lange nicht erreicht und das macht uns wütend. Zum diesjährigen Frauentag am 8. März stellen wir die weibliche Wut in den Mittelpunkt.
  • Gebäudemodernisierungsgesetz: Verrat an Mieterinnen, Häuslebauern und Handwerk
    Die Bundesregierung und Regierungskoalition von CDU, CSU und SPD unter Bundeskanzler Friedrich Merz will das Gebäudeenergiegesetz reformieren. Öl- und Gasheizungen sollen auf unbestimmte Zeit erlaubt bleiben. Das freut vor allem Gaskonzerne. Mit den neuen Eckpunkten von Schwarz-Rot droht vor allem Mieter*innen und Häuslebauer*innen ein enormer Heizkostenschock. Die Klimaziele für den Gebäudebereich sind der schwarz-roten Koalition offensichtlich völlig egal.
  • Nachhaltige Friedenspolitik in Israel und Palästina
    Auf ihrer Reise nach Israel und Palästina Anfang Februar traf unsere Bundesvorsitzende Franziska Brantner Vertreter*innen der Regierungen und der Opposition und der Zivilgesellschaft. Sie führte vor dem Hintergrund des Beschlusses der Bundesdelegiertenkonferenz im November 2025 Gespräche über politische Perspektiven in der Region. Dabei betonte sie die drei unverhandelbaren Prinzipien Grüner Friedenspolitik im Nahen Osten: das Existenzrecht Israels, das Selbstbestimmungsrecht der Palästinenser und die Achtung von Menschenwürde und Völkerrecht.
  • Europa muss weitergehen in Richtung Unabhängigkeit
    Die MSC hat einmal mehr gezeigt: Wir brauchen ein unabhängiges Europa. Die Rede von Bundeskanzler Merz setzte den richtigen Ton, aber die Bundesregierung handelt nicht danach. Wir Bündnisgrüne sind überzeugt: Nur durch kluge Industriepolitik, Innovationen und Investitionen in Europa und in Deutschland gewinnen wir an Stärke und durch den konsequenten Ausbau der Erneuerbaren an Unabhängigkeit.

Newsletter BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Spree-Neiße

Telegram BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN