Heide Schinowsky

Rede zum Antrag "Stärkung und bessere Nutzung der Potenziale der Industriekultur in Brandenburg"

Die Spuren, die der Strukturwandel in fast allen alt-industriellen Regionen Europas hinterlassen hat, erfordert die Entwicklung von Nachnutzungskonzepten, die nicht alleine auf den Tourismus setzen müssen, sondern auch neue Formen des Wohnens, die Neuansiedlung von Unternehmen oder die städtebauliche und die naturräumliche Entwicklung beinhalten können. Welche Potenziale die Befassung mit der Industriekultur für Brandenburg hat, wurde schon Ende 2010 in einem Bericht an das Wirtschaftsministerium sehr deutlich. Der Bericht betonte, dass die Beschäftigung mit dem Thema Industriekultur einen positiven Beitrag zur wirtschaftlichen und identitätsstiftenden Entwicklung des Landes zu leisten vermag. Passiert ist seither jedoch wenig. Erst im letzten Jahr hat es mit der Gründung des Netzwerkes für Industriekultur erste Aktivitäten in dieser Richtung gegeben. Bei uns in der Lausitz zum Beispiel wird gerade klar, wie wichtig solche Nachnutzungskonzepte werden könnten. Um Missverständnisse zu vermeiden: Es geht auch uns an erster Stelle darum, industrielle Kerne zu erhalten. Aber auch neue Formen des Wohnens oder des Tourismus haben in Zukunft vermehrt ihren Platz. Das gilt es in konzeptioneller Art und Weise zu gestalten und mit allen Beteiligten umzusetzen.

Der genannte Bericht an das Ministerium sah den Handlungsbedarf vor allem zunächst touristisch, indem Aufklärungsarbeit bei den Touristikern gefordert wird, um die Akzeptanz des Themas Industriekultur zu verbessern oder indem Vernetzung der industriekulturellen Angebote mit anderen Themen wie Natur- und Landschaftserlebnis, Fahrradtourismus und sonstigen kulturellen Sehenswürdigkeiten gefordert werden. Aber ich denke, wir müssen und können deutlich darüber hinausgehen. Denn die Lausitz wird allein vom Tourismus nicht satt. Da wird es nicht reichen, Radwege, Bootsstege und Badestellen anzulegen. Neue Formen des Wohnens, die Ansiedlung von Produktion, Dienstleistung und Gewerbe und die städtebauliche Entwicklung sind nötig. Das wird in dem uns vorliegenden Antrag ja so auch schon genannt. Lassen sie mich nun aber noch auf einen anderen Aspekt zu sprechen kommen, der meiner Fraktion sehr wichtig ist. Eines der ältesten Industriereviere Brandenburgs liegt am Finowkanal. Dieser verdient in diesem Zusammenhang daher auch eine Würdigung und Unterstützung. Schon 1620 war der erste Finowkanal fertig. Der wirtschaftliche Aufschwung der Region begann allerdings erst mit dem Ausbau des Kanals im 18. Jahrhundert. Heute ist der Kanal für die Industrie nicht mehr von Bedeutung, und auch hier fehlt es an einem Nachnutzungskonzept. Während sich der Tourismus – vor allem der Wassertourismus – hier schon gut entwickelt hat, fehlt es an einem Betreiberkonzept für die alten Anlagen. Die TMB wirbt für den Finowkanal mit folgendem Text: „Besucher erhalten einen interessanten Einblick in eine einmalige Industrie-, Kultur- und Wasserbaugeschichte, erfreuen sich an der idyllischen Landschaft und genießen Ruhe und Ursprünglichkeit. Der Finowkanal ist ausschließlich den Sportbooten vorbehalten und steht seit 2007 gänzlich unter Denkmalschutz.“ Allein, seine Zukunft ist ungewiss. Denn der vom Bund betriebene Kanal wird für den Gütertransport nicht mehr benötigt. Investitionen in die teilweise schon sehr baufälligen Schleusen erfolgen nicht mehr. Die entlang des Kanals gelegenen Städte und Gemeinde sollen zukünftig für den Unterhalt aufkommen und den Kanal übernehmen. So sieht jedenfalls das Angebot vom Wasser- und Schifffahrtsamt aus. Die sind aber finanziell und organisatorisch einer solchen Aufgabe kaum gewachsen. Daher muss ein Engagement der Landesregierung für Industriekultur im Land unbedingt auch diesen Kanal umfassen. Das wollten wir mit unserem Änderungsantrag zum Ausdruck bringen, der nun auch übernommen wurde. Das Wegbrechen ganzer Industrien ist keine Erfindung unseres Jahrhunderts. Die Beschäftigung damit und die systematische Entwicklung von Regionen, die durch einen Strukturwandel schwer getroffen werden, hat allerdings in den vergangenen Jahrzehnten an Fahrt gewonnen. Es gibt erfolgreiche Regionen, die das schon hinter sich haben, es gibt viel Erfahrung und die Erkenntnis, dass Wegsehen keine Option ist. In diesem Sinne ein guter Antrag, den wir gerne unterstützen.  

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