Heide Schinowsky

Landesgutachten Braunkohle-Rückstellungen: „Persilschein ohne Substanz“ – Gutachter warnen: Renaturierungsgelder nicht sicher

www.ideengruen.de | markus pichlmaierHeute hat das Brandenburger Landesbergamt eine Studie zur "Vorsorge für die Wiedernutzbarmachung der Oberfläche im Lausitzer Braunkohlebergbau" veröffentlicht. Die Gutachter der TU Clausthal und der Ruhr-Universität Bochum kommen darin zwar zu dem Schluss, dass die vom tschechischen Bergbauunternehmen LEAG bislang in der Bilanz abgebildeten Rückstellungen von 1,38 Mrd. € den rechtlichen Vorgaben entsprechen. Weitaus kritischer sehen die Gutachter jedoch die Sicherheit der Rückstellungen: "Die Sicherung der monetären Fähigkeit eines Unternehmens zur Umsetzung von Maßnahmen zur Gestaltung der durch den Bergbau in Anspruch genommenen Fläche wird hierdurch nicht gewährleistet", wird in dem Gutachten gewarnt, denn, "die Regelungen zur Bildung von Rückstellungen für Braunkohlentagebaue gem. HGB bilden lediglich eine steuerrechtliche Vorgabe ab".

"Die Ergebnisse des Gutachtens sind enttäuschend und geben keinen Anlass zur Entwarnung, ganz im Gegenteil", sagte Heide Schinowsky, wirtschaftspolitische Sprecherin der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Landtag Brandenburg. "Dass die derzeitigen Rückstellungen bilanzrechtlich ordnungsgemäß abgebildet werden, hatte niemand bezweifelt. Völlig ungeklärt bleibt jedoch die Frage, ob diese tatsächlich ausreichen werden." Die hierfür notwendige Betrachtung der tatsächlich erforderlichen Renaturierungs-Kosten wurde von der Landesregierung offenbar nicht beauftragt - es gibt jedenfalls keine konkreten Zahlen hierzu im Gutachten.

"Dass die Landesregierung auf dieser Grundlage Entwarnung gibt, ist ein Persilschein ohne Substanz. Ohne Zahlen ist eine Überprüfung unmöglich", kritisierte Schinowsky: "Es ist mehr als enttäuschend, dass zwei Jahre nach Ankündigung des Gutachtens und der immer wieder hinausgezögerten Veröffentlichung auch heute noch keine konkreten Daten zur Renaturierung vorliegen. Sie wären die Voraussetzung dafür, realistisch einschätzen zu können, ob das Geld ausreicht bzw. in welcher Höhe die Kosten am Steuerzahler hängenbleiben werden. Fraglich ist außerdem, ob die in der Bilanz stehenden Werte im Bedarfsfall auch tatsächlich zur Verfügung stehen".

Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Brandenburger Landtag fordert nun, die Kalkulation zur Höhe der Rücklagen offen zu legen und die entsprechenden Gelder schnellstmöglich zu sichern. "Ob das durch die Einrichtung einer Zweckgesellschaft gewährleistet werden kann, ist noch unklar; die Landesregierung hat bisher keine Angaben zu deren Ausgestaltung gemacht", sagte Schinowsky.

In der Novembersitzung des Wirtschaftsausschusses hatte Staatssekretär Hendrik Fischer die Gründung einer Gesellschaft angekündigt, allerdings nur für den Tagebau Welzow. Der ehemalige Wirtschaftsminister Albrecht Gerber bezifferte noch im Sommer 2018 die Gesamtkosten für die Renaturierung der Tagebaue auf etwa 3 Milliarden Euro; dem Gutachten zufolge betragen die aktuellen Rückstellungen jedoch lediglich 1,38 Mrd. Euro.

Beim Übergang der Braunkohlesparte von Vattenfall an die LEAG Mutterholding EPH wurde im Jahr 2016 Folgendes zugesichert: Während der ersten drei Jahre nach dem Verkauf dürfen keine Dividenden an den neuen Eigentümer gezahlt, Rückstellungen aufgelöst oder ähnliche vergleichbare Maßnahmen ergriffen werden. In den folgenden zwei Jahren ist die Gewinnabschöpfung vertraglich auf eine betriebsübliche Rendite begrenzt. "Diese Zeit läuft langsam ab und keiner weiß, wie die umstrittene Prager Finanzholding EPH angesicht abnehmender Gewinne im Braunkohlegeschäft reagieren wird", sagte Schinowsky.

Aktuelle Seite: Startseite Meine Themen Tagebau-Folgen Landesgutachten Braunkohle-Rückstellungen: „Persilschein ohne Substanz“ – Gutachter warnen: Renaturierungsgelder nicht sicher

Pressemitteilungen gruene.de

Die Zukunft änderst du hier. Alle Informationen zu Programm, Personen und Möglichkeiten, bei BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN aktiv zu werden.
  • Landtagswahlen: Warum jede Stimme für Bündnisgrün zählt
    In Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern heißt es im Herbst: Wenn Bündnisgrüne in den Landtag einziehen, können wir zusammen mit den anderen demokratischen Kräften eine AfD-Alleinregierung verhindern. In Berlin sind wir im Dreikampf mit CDU und Linke um den ersten Platz. In allen drei Ländern kämpfen wir für Natur- und Klimaschutz, für funktionierende Schulen, für sozialen Zusammenhalt und für eine gute Lebensqualität in der Stadt und auf dem Land.
  • Erster Diversitätsrat 2026
    Klar ist: Vielfaltspolitik bleibt nicht bei Beschlüssen stehen, sondern braucht konkrete Strukturen, kontinuierlichen Austausch und Beteiligung. Hier liest du, was wir aus dem ersten Diversitätsrat 2026 mitgenommen haben.
  • Grüner Länderrat: Nah am Menschen, stark im Wandel
    Nah am Menschen, stark im Wandel. Mit diesem Versprechen ziehen wir in die Landtagswahlen im Herbst. Beim Länderrat in Sassnitz auf Rügen haben Delegierte, Mitglieder und die grünen Spitzen über bündnisgrüne Politik in und für Ostdeutschland und die anstehenden Landtagswahlkämpfe beraten.
  • Ostkongress 2026: Ostdeutschland als Ausgangspunkt
    Beim Ostkongress in Sassnitz auf Rügen haben wir den Startschuss für die Landtagswahlkämpfe in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt gegeben und konkrete Themen in den Mittelpunkt gestellt: bezahlbare Energie, soziale Sicherheit und gleiche Bildungschancen, unabhängig vom Wohnort.

Newsletter BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Spree-Neiße

Telegram BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.