Heide Schinowsky

Der zukünftige Cottbusser Ostsee
Der potentielle Standort für eine Löschflugzeugstaffel
Die Sprengung der Förderbrücke des stillgelegten Tagebaus Cottbus-Nord hat Symbolkraft

Auswirkungen der Tagebau-Erweiterung in Turów: Landesregierung muss Gefahren für Brandenburg thematisieren und sich am Verfahren beteiligen

Tagebau TurowDie geplante Erweiterung des polnischen Braunkohle-Tagebaus Turów im Dreiländereck Polen, Tschechien, Deutschland am Grenzfluß Neiße ist bisher kein Thema bei der Brandenburger Landesregierung: „Der Landesregierung liegen keine Informationen zu einer grenzüberschreitenden Beteiligung wegen der Erweiterung des Braunkohle-Tagebaus Turów vor“, teilte Umweltminister Jörg Vogelsänger auf Anfrage der Lausitzer Landtagsabgeordneten Heide Schinowsky mit. Allerdings informierte das polnische Generaldirektorat für Umweltschutz die Bundesrepublik Deutschland bereits am 2. April 2015 mit einem Schreiben über das geplante Vorhaben, wie aus einer Antwort der sächsischen Staatsregierung hervorgeht.

Die Landtagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN fordert nun die Brandenburger Landesregierung auf, sich an der grenzüberschreitenden Umweltverträglichkeitsprüfung im Rahmen der Ausweitung des Tagebaus zu beteiligen. „Brandenburg muss sich zum Schutz der Neiße-Region an dem Verfahren beteiligen. Die positive Grundeinstellung der Landesregierung zur Braunkohle darf nicht dazu führen, dass vermeidbare negative Auswirkungen sehenden Auges hingenommen werden“, fordert Heide Schinowsky. Neben der klimaschädlichen Verlängerung der Kohleverstromung könne die Ausweitung des Tagebaus eine qualitative und quantitative Bedrohung der Gewässer in der Region zur Folge haben.

Aktuell werden vom polnischen Staatskonzern PGE Unterlagen zur Verlängerung der Konzession über das Jahr 2020 hinaus erarbeitet, wie ein Vertreter von PGE auf einer Konferenz im tschechischen Frýdlant („Frýdlant-Conference“) am 13. November erklärte. „Noch ist es nicht zu spät für eine Beteiligung von Brandenburger Seite“, mahnt Schinowsky. Das Land Sachsen wird sich an dem Verfahren beteiligen, weil Auswirkungen durch das Sümpfen des Grundwassers, wie auch durch die Einleitung von „Sümpfungswässern“ (abgepumptes Wasser aus dem Tagebau, das in umliegende Gewässer eingeleitet wird) gesehen werden, heißt es von Seiten der sächsischen Staatsregierung.

20181113 113300Schinowsky gibt zu bedenken, dass die Auswirkungen des Tagebaus Turów auf Brandenburger Gebiet auch schon in der Vergangenheit bemerkbar waren. So wurden Trübungen der Lausitzer Neiße im Bereich Guben im Jahr 2015 laut Aussage des Brandenburger Umweltministeriums dem Tagebau Turów zugeordnet. In einem direkten Zusammenhang mit dem Kraftwerk und dem Tagebau Turów steht auch der Niedów-Stausee, der zur Wasserversorgung des Kraftwerks Turów und der Stadt Bogatynia dient. 2010 kam es hier zu einem Dammbruch mit anschließendem Hochwasser der Neiße.

Durch die Erweiterung des Tagebaus könnten insbesondere auf die Neiße weitere Probleme zukommen. Auf der „Frýdlant-Conference“ warnte der Hydrologe Dr. Sylwester Kraśnicki vor einer Auswaschung von Uran, Quecksilber und Cadmium sowie entsprechenden Belastungen für die Gewässer, wie der Neiße. Bereits heute seien erhöhte Werte in tschechischen Neiße-Zuflüssen festzustellen. Dramatisch seien derzeit auch die Folgen für die Trinkwasserversorgung im Umfeld des Tagebaus, insbesondere für tschechische Kommunen südlich des Tagebaus, berichte der stellvertretende Bürgermister von Hrádek nad Nisou (Grottau an der Neiße) Pavel Farský. So wären allein in diesem Jahr etwa 35 Brunnen trocken gefallen und ca. 20 bis 30 Prozent der Gewässer ausgetrocknet. Teile der Bevölkerung mussten durch Tankwagen und Plastikflaschen mit Trinkwasser versorgt werden.

Das Thema Tagebau-Erweiterung Turów wird auch Thema im nächsten Braunkohlenausschuss des Landes Brandenburg am 22. November sein.

Hintergrund

Weil die Abbaulizenz des Tagebaus Turów am 30.04.2020 ausläuft, beabsichtigt der polnische Staatskonzern PGE GiEK S.A., sie bis zum Jahr 2044 zu verlängern. Dafür soll der bereits 26 Quadratkilometer große Tagebau um weitere ca. 400 Hektar erweitert werden. Zudem plant PGE, den Tagebau von derzeit ca. 260 Meter auf ca. 300 Meter in die Tiefe abzubaggern.

Aktuelle Seite: Startseite Meine Themen Energiepolitik und Strukturwandel Braunkohle Auswirkungen der Tagebau-Erweiterung in Turów: Landesregierung muss Gefahren für Brandenburg thematisieren und sich am Verfahren beteiligen

Pressemitteilungen gruene.de

Die Zukunft änderst du hier. Alle Informationen zu Programm, Personen und Möglichkeiten, bei BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN aktiv zu werden.
  • Reiches Heizungsgesetz: Fossile Kostenfalle und Klimakiller
    Nach der ersten Lesung des Gebäudemodernisierungsgesetzes ist klar: Dieser Gesetzentwurf aus dem Hause Reiche ist klimaschädlich, sozial unausgewogen und verlängert die Abhängigkeiten Deutschlands von teuren Gasimporten. Diese Gesetzesnovelle sollte besser heute als morgen beerdigt werden!
  • Schwarz-rote Sozialreform: Kürzen ist noch keine Reform
    Was die Bundesregierung unter dem Deckmantel einer „Pflegereform" vorlegt, verdient diese Bezeichnung kaum. Statt strukturelle Probleme anzugehen und Lasten gerecht zu verteilen, greift der Gesetzentwurf zum Rotstift – und zwar dort, wo er am wenigsten hingehört: bei den Menschen, die ohnehin am wenigsten haben. Was wir Grüne im Detail kritisieren, liest du hier.
  • IM/PULS 2026 – Hoffnung ist eine politische Strategie.
    Tausend Menschen. Acht Bühnen. Eine Frage: Wie machen wir Politik, die wieder Hoffnung weckt? IM/PULS 2026 war keine Konferenz - sondern ein Experiment. Was dabei entstand, liest du hier.
  • Tag der Frauengesundheit: Bundesregierung hat Frauen nicht im Blick
    Frauen leisten den überwiegenden Teil unbezahlter Sorgearbeit in Deutschland. Die von der Bundesregierung geplanten Kürzungen des Unterhaltsvorschuss treffen unmittelbar alleinerziehende Frauen und Kinder. Sie bezahlen dafür auch mit ihrer körperlichen und psychischen Gesundheit. Hier lest ihr, warum wir echte Gleichstellung in der medizinischen Gesundheitsversorgung brauchen und wie wir Frauen wirklich entlasten.

Newsletter BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Spree-Neiße

Telegram BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.